Das Lied von der Å
Sejle op ad åen:
Das Lied entstand an der Odense Å. Es hatte ursprünglich mehr Strophen und einen anderen Text als den, der heute gesungen wird.
Der Text des Liedes „Sejle op ad åen“ stammt von Laurits Stephan, die Melodie wurde von Emilius Carl Wilhelmi komponiert.
Das Lied wurde vermutlich erstmalig am 12. oder 13. Juli 1895 im Odenser Sommertheater vom Tenor Edvard Agerholm vorgetragen.
1934 dirigierte Kronprinz Frederik (der spätere Frederik IX.) das Orchester der Leibgarde in den Übungsräumen der Leibgarde in der Rigensgade in Kopenhagen. Ein Musiker stimmte am Rande die Melodie von „Sejle op ad åen“ an. Als Kronprinz Frederik sie hörte, sagte er zum musikalischen Leiter der Leibgarde: „Das ist eine hübsche Melodie, die singen wir oft, wenn wir segeln. Ich finde, ihr solltet sie auf dem Fußballplatz spielen.“ Gesagt, getan – und wie man hört, mit großem Erfolg.
Im Frühjahr 1981 sendete das dänische Fernsehen ein Interview mit Königin Margrethe, in dem sie ihre Eindrücke einer Japanreise schilderte. Die Königin wurde u. a. gefragt, ob die Dänen jemals die japanische Mentalität verstehen lernen könnten. Die Königin hielt das für möglich, obwohl „wir wohl nie zusammen eine Bootsfahrt auf dem Fluss machen werden“.
„At sejle op ad åen” – den Fluss hinauf zu fahren - ist zu einem Begriff geworden, hinter dem mehr steckt als normales Verständnis füreinander. Wenn man „zusammen den Fluss hinauffährt“, kommt man wirklich gut miteinander aus, befindet sich in guter Gesellschaft und ist guter Laune.
Wenn Dänen in gemütlicher Runde zusammensitzen – sei es zu Hause im Dorfgemeinschaftshaus, beim Fußballländerspiel oder an den Ferienorten unter der Sonne des Südens – stimmen sie oft dieses Lied an:
Sejle op ad åen,
sejle ned ad igen
Det er vel nok en dejlig sang,
den må vi ha’ endnu en gang.
Sejle op ad åen,
sejle ned ad igen.
usw.
sejle ned ad igen
Det er vel nok en dejlig sang,
den må vi ha’ endnu en gang.
Sejle op ad åen,
sejle ned ad igen.
usw.
Das Lied ist „unendlich”, es kann gesungen werden, solange man Luft und Lust hat – und verlangt kein besonders gutes Gedächtnis.
Oft haken sich die Leute unter und schunkeln. Das symbolisiert die Bootsfahrt und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
Ganz Dänemark kennt das beliebte Lied, und die Odenseaner kennen das Gefühl, dass „ihre“ Å besungen wird. Sie wissen nämlich, wie es ist, „den Fluss hinauf zu fahren“.
Noch heute fährt man jedes Jahr vom 1. Mai bis 30. September den „Fluss hinauf“.
(aus dem Buch „sejle op ad åen" von Vibeke Brandt)

